Borneo, Lokale Entwicklungshilfe, Montessori Kindergärten

MONTESSORI IN MELINGKAT – EIN INTERVIEW MIT IBU LUISA

25 Nov , 2018  

Von der Abholzung des Regenwaldes, dem mangelnden Artenschutz, der Armut der Bevölkerung bis hin zu Naturkatastrophen und Korruption – die Liste der Probleme, mit denen Borneo zu kämpfen hat, ist lang. Sie kann nur im internationalen Miteinander Stück für Stück abgearbeitet werden. Es sind viele Puzzleteile, die hier zusammengesetzt werden müssen. Welche Rolle das nehemia team dabei spielt, erzählt Mitarbeiterin Ibu Luisa, die den Montessori-Kindergarten in Melingkat leitet.

“Als ich zuerst von den Montessori-Methoden hörte, hatte ich keine Ahnung, was das überhaupt sein sollte. Ich kannte nur das klassische Schulsystem von Kalimantan und ich wollte mich partout nicht auf irgendwelche neuen Ansätze einlassen. Ich dachte, das würde uns nur eine Menge Ärger einbringen. Heute bin ich froh, dass ich über meinen Schatten gesprungen bin.

Vor Montessori konnten wir keine großen Verbesserungen für die Kinder ausmachen. Ja klar, man merkte in der Grundschule schon, welche Kinder vorher überhaupt einen Kindergarten besuchen konnten und welche nicht. Aber unsere Kinder hoben sich nicht ab. Sie wussten mehr über Gott, aber das war alles. Nachdem wir die Montessori-Methoden eingeführt hatten, sah das anders aus. Wir konnten eine stete Verbesserung in den schulischen Leistungen beobachten. Jährlich werden die zehn besten Schüler ausgezeichnet. Inzwischen stammt die Mehrheit dieser ausgezeichneten Schüler aus unserem Kindergarten und der Schulleiter ermutigt regelmäßig die Eltern, ihre Kinder zu uns zu schicken.

Was uns von den anderen abhebt, ist unsere Herangehensweise. Ich beobachte häufig, dass Lehrer die Arbeit nur tun, um am Ende ihr Gehalt zu kassieren. Es gibt wenig Hingabe an den Auftrag des Lehrers, ein Kind voranzubringen. Jedes Kind hat Gaben und Fähigkeiten, aber man muss sich die Zeit nehmen, diese zu entdecken und weiterzuentwickeln, dafür braucht man Lehrer, die treu und engagiert sind.

Die Infrastruktur ist für viele Kinder ein Problem. In einem ländlichen Ort wie diesem hier ist der Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung begrenzt. Die Herkunft des Kindes spielt dabei eine geringere Rolle, als man vielleicht denkt. Es gibt durchaus junge Männer und Frauen aus diesem Dorf, die erfolgreich ein Universitätsstudium abgeschlossen haben. Alle Kinder haben Potenzial. Aber es sind Leute nötig, die es in ihnen erkennen und dabei helfen, dieses vorhandene Potenzial zu entwickeln.

Ein Problem für die Kinder von Orten wie Melingkat sind kulturelle Praktiken, die Eltern und Kinder gleichermaßen beeinflussen. Eines der Muster, das wir erkannt haben, ist, dass in Familien mit schlecht ausgebildeten Eltern oft kein Wert in Bildung gesehen wird. Eltern glauben, dass es ausreicht, wenn ihre Kinder in die Grundschule gehen und dann einer bezahlten Arbeit nachzugehen. Doch Stück für Stück versuchen wir alte Denkstrukturen zu durchbrechen und Dinge zu fördern, die die Dorfgemeinschaft voranbringen.

Wir sehen die Früchte unserer Arbeit schon jetzt in unserem Dorf, auch im zwischenmenschlichen Bereich. Familien aus unterschiedlichen Glaubensrichtungen haben hier oft komplizierte, sogar rivalisierende Beziehungen zueinander. Aber weil wir Kinder aus allen Konfessionen aufnehmen und ihnen Freundschaft, Respekt und Fürsorge vermitteln, bringen die Kinder diese Werte zurück nach Hause und das verändert die Familien und am Ende sogar die ganze Dorfgemeinschaft. Wir können das schon jetzt spüren, es ist wunderbar.
Ich glaube, letztendlich ist für ein Kind im Kindergartenalter die Charakterentwicklung am wichtigsten, das Verinnerlichen von gesunden Grundlagen. Ein Interesse am Lernen entwickeln Kinder meist automatisch.

Was wir in unserem Land heute oft beobachten können, ist, dass wir viele schlaue Leute haben, denen es an Charakterstärke und Moral fehlt. Das ist ein grundlegendes Problem. Denn das hat zum Beispiel Korruption zur Folge und politische Entscheidungen, die unserer Nation auf lange Sicht schaden. Natürlich werden die Menschen an alten Gewohnheiten festhalten und weitergeben, womit sie selbst aufgewachsen sind, daran können wir nichts ändern. Aber unsere Kinder hier wachsen mit einer Alternative auf, sie können die Dinge anders sehen und tun. Wir ziehen eine Generation heran, die positive Veränderung in unserem Land bewirken kann, die mit mehr Integrität und Glauben voranschreitet. Das ist der Beitrag, den wir hier in unseren Dörfern leisten.”

 

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