Borneo, Montessori Kindergärten

Vergessene Kinder?

24 Feb , 2015  

„Auch wenn die Welt die Kinder in unserem Dorf vergessen hat, Gott hat sie nicht vergessen, und deshalb kümmern wir uns um sie!“ Mit diesem Satz brachte Ibu Luisa aus Melingkat vor fast fünf Jahren auf den Punkt, was der Auslöser für die Kindergartenarbeit des nehemia teams in Kalimantan war, und bis heute die Grundlage geblieben ist: Weil jedes Kind wertvoll ist und eine Chance verdient, zu lernen, seine Fähigkeiten zu entwickeln und sein Potenzial zu entfalten, ist jeder Kindergarten ein Ort der Hoffnung und der Zukunft.

Elf dieser Kindergärten betreut das nehemia team mittlerweile. Dies beinhaltet die Unterstützung bei der Gründung und wo nötig dem Bau eines Gebäudes, die Bereitstellung von Lern- und Spielmaterialien bis hin zur Schulung der Erzieherinnen und Erzieher auf der Basis von Montessori-Prinzipien kombiniert mit biblischen Werten und einem christlichen Menschenbild.

Zu vermitteln, dass die Ausbildung und vor allem die Umsetzung und Anwendung des Gelernten wichtiger ist als ein paar „neue Spielzeuge“, gelingt mitunter nur mit begrenztem Erfolg. Letztlich liegt es in den Händen der Erzieher vor Ort, wie weit sie das Gelernte umsetzen. Aber der Rückblick auf die vergangenen vier Jahre ermutigt, das Kindergarten-Projekt weiter zu führen und auszuweiten: Der Kindergarten in Melingkat hat sich zum Modellkindergarten entwickelt, wo Interessierte Erzieher/innen ein Praktikum absolvieren können, bevor sie an einer Schulung teilnehmen. Ibu Merry aus dem größten Kindergarten in Sintang startet zum Jahreswechsel einen neuen, kleinen Kindergarten, zunächst im Wohnzimmer ihres Hauses. Ibu Fina unterrichtet vier Kinder auf der Veranda ihres winzigen Pastorenhauses in Aboi, aber trotz einfachster äußeren Umstände setzt sie Methoden und Material korrekt und effektiv ein – und man spürt dabei ihr Herz für die Kinder.

Und vor zwei Wochen klingelte plötzlich Wolfgang Oelschlegels Telefon. Am anderen Ende der Leitung: Grace, ein Kindergartenkind aus Aboi, das letzten Sommer eingeschult wurde: „Hallo Herr Lehrer, wie geht es dir? Ich wollte dir nur sagen, dass ich in der Klasse die Nummer eins bin!“ Ein lustiger Anruf – aber Grace ist nicht die Ausnahme. Fast alle der Kinder aus „unseren Kindergärten“ gehören später zu den Klassenbesten.

Um nochmals Ibu Luisa, die Pastorin aus Melingkat zu zitieren: „Als wir das erste Mal in der Schulung vom nehemia team gesessen sind, haben wir drei Erzieherinnen uns gedacht – das funktioniert ja nie und nimmer in unserem Dorf – mit unseren Urwaldkindern. Aber jetzt wissen wir: Die Montessori-Methode ist das Beste überhaupt für unsere Situation und unsere Kinder. Das habe ich neulich auch dem Superintendenten vom Schulamt gesagt – und dass er ruhig kommen und sich unseren Kindergarten anschauen soll!“

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